Wettrennen um die Aufhebungsverträge

21.03.2010 von Christine Rosenboom

In Finnland wurden die Verhandlungen über die Regelungen der Freiwilligenmaßnahmen zum Personalabbau mittlerweile abgeschlossen. Der Sozialplan umfasst sogenannte Voluntary Exit Packages (VEP – klingt peppig und nicht so negativ wie der banale Begriff „Aufhebungsvertrag“). Dies sind also Aufhebungsverträge mit einer Abfindung von 3 bis 15 Monatsgehältern. Ausschlaggebend für die Höhe ist die Betriebszugehörigkeit des Mitarbeiters, der die Firma verlassen will.

Psychologisch geschickt gemacht ist die Art und Weise, wie die Mitarbeiter zur Unterzeichnung des VEP aufgerufen werden. So ist ein relativ kurzer zeitlicher Korridor von drei Wochen, vom 29.3.2010 um 9:00 Uhr bis zum 18.4.2010 um 24:00 Uhr gesetzt, in der die Mitarbeiter sich freiwillig für diese Abfindung melden dürfen. Wer zu spät kommt, so sieht es das Verfahren vor, geht leer aus. Die Anträge auf die VEPs werden in der Reihenfolge berücksichtigt, in der sie eingehen.

Ein bisschen müssen die Mitarbeiter sich aber schon noch gedulden – ausdrücklich ausgeschlossen ist nämlich, dass sich Mitarbeiter schon jetzt, also vor dem Startschuss zum Wettrennen, für die VEPs bewerben. :-)

Nächste Woche werden die Kollegen und die Line Manager in Info-Sessions über die detaillierten Konditionen informiert.

In Deutschland wäre eine solche Freiwilligenaktion über den gesamten Betrieb vermutlich nicht möglich, denn bevor ein trennungswilliger Mitarbeiter den Aufhebungsvertrag bekäme, müsste mindestens noch der Line Manager, die PA, der Betriebsrat, der Vorstand, die Bundeskanzlerin und wahrscheinlich noch der Dalai Lama zustimmen. Das ganze dann mit mindestens 4 Durchschlägen zur Information an das Innenministerium und wehe zwischendurch ändert sich das vorgeschriebene Formular. Bis der Kollege dann alle Unterschriften beisammen hätte, wäre er alt und grau und wahrscheinlich schon mindestens seit 5 Jahren in Rente.