Suris Einsparziel mit Kurzarbeit nicht erreichbar

24.03.2010 von Inken Wanzek / Christine Rosenboom

In der gestrigen Fassung der Betriebsvereinbarung „Kurzarbeit“ des Arbeitgebers lautete eine Formulierung in der Präambel noch „… NSN setzt damit am Standort München die unternehmensweit geplante Kostenreduzierung um …“

Diese Formulierung wurde in der endgültigen Fassung zwar leicht abgeschwächt, es gab jedoch auch auf explizite Nachfrage keine befriedigende Antwort darauf, wie der ursprüngliche Satz zu interpretieren sei – weder von der Verhandlungsgruppe des Betriebsrats noch von der Betriebsleitung.

Wir erinnern uns: Rajeev Suri hatte erklärt, dass NSN 500 Mio. Euro bis Ende 2011 einsparen will. Durch den Personalabbau von 450 Arbeitsplätzen in Finnland spart NSN geschätzt etwa 35 Mio. Euro pro Jahr (basierend auf dem Verrechnungssatz für Mitarbeiter in Finnland). Die Kurzarbeit in Deutschland inklusive der Einsparungen bei Real Estate hätte etwa weitere 70 Mio. in den nächsten beiden Jahren eingespart. Damit fehlen aber noch 360 Mio. Euro, die nach Rajeev Suri hauptsächlich auch auf Deutschland und Finnland entfallen sollen.

Wenn man weiter in Betracht zieht, dass in Lateinamerika, North East, Irland, Großbritannien, Bulgarien, Kroatien, Tschechien, Bosnien-Herzegowina und Serbien nur geringe Auswirkungen des Stellenabbaus (minor impact) und in allen anderen Ländern bzw. Regionen wie APAC oder China überhaupt kein Abbau angekündigt ist, dann ist klar, dass praktisch der gesamte Abbau in Deutschland und Finnland stattfinden soll.

Eine Einsparung in Höhe von 360 Mio. Euro kann eigentlich nur durch eine weitere Restrukturierung erreicht werden. Die Kurzarbeit kann dies nicht auffangen. Beim deutschen Verrechnungssatz entspricht die Summe 360 Mio. Euro einem Abbau von 3.000 Arbeitsplätzen. Damit könnten die Standorte München und Berlin auf der Kippe stehen.

Weiter steht in der Betriebsvereinbarung „Kurzarbeit“, dass Verhandlungen zu einem Interessenausgleich / Sozialplan ab 15.9.2010 eingeleitet werden können. Darüber hinaus ist die Durchführung der Kurzarbeit laut Anlage 1 der Betriebsvereinbarung nur für 8,5 Monate, also bis Ende Dezember 2010 geplant.

Dies sind deutliche Hinweise, dass der Personalabbau kommen dürfte und zwar Ende 2010 oder Anfang 2011.

Dann kann auch Joe Kaeser seinen Zeitplan einhalten, denn NSN darf nach seiner Aussage die Siemens-Bilanz nur noch bis zum Ende des Siemens-Geschäftsjahres 2011 belasten. Dass Kaeser das will, daran bestehen wenig Zweifel. Die Gangart im Siemens-Konzern wird, wie man am Beispiel der SIS sieht, härter.