Man hat immer die Wahl, das Richtige zu tun

26.03.2010 von Inken Wanzek

Autor: hz, SIS, veröffentlicht durch NCI InWaChRo News

Wie so oft in den letzten Jahren bangen die Mitarbeiter wieder um Einkommen und Arbeitsplatz. Allerdings gibt es da eine Gruppe von Menschen, die zwar nicht so sehr im Focus stehe. Das sind die untersten Ränge in einer Konzernhierarchie unmittelbar über den Mitarbeitern: Dienststellenleiter, Abteilungsleiter, Vorgesetzte, die nur noch Mitarbeiter unter sich haben.

Natürlich gibt es unter ihnen welche, die nicht nach links und rechts sehen, gehorsam ausführen, was ihnen gesagt wird. Es gibt welche, die das alles tun, sich aber nicht wohl dabei fühlen. Es gibt auch viele, die diese Situation nicht wollen, denen es keine Freude bereitet, ihre Mitarbeiter unter Druck zu setzen. Sie befinden sich in der Zwickmühle. Wie sieht diese aus und wie kann ein Weg aus ihr heraus aussehen?

Die Vorgesetzen werden in dem Szenario, das auf uns zukommt, die undankbare Rolle erhalten, die Hiobsbotschaften von oben nach unten weiterzuleiten, bis hin zum aktiven Selektieren und Überzeugungsarbeit leisten, um Mitarbeiter zum „freiwilligen“ Gehen zu bewegen. Ihre Leistung wird dann daran gemessen, wie erfolgreich sie solche Aufgaben umsetzen. Das Behalten ihres Jobs hängt ihrer Meinung nach und vielleicht manchmal auch tatsächlich davon ab, wie arbeitgeberkonform sie diese Dinge umsetzen.

Die menschlichen Folgen dieser Zwickmühle unterscheiden sich in nichts von dem der betroffenen Mitarbeiter selbst: Angst bis hin zur Panik, Schlaflosigkeit, Nervosität, Bluthochdruck, das Gefühl von Ausweglosigkeit, körperliche Folgeerkrankungen.

Scheinbar gibt es nichts, was sie tun können, um sich und ihre Mitarbeiter vor den Folgen der Managemententscheidungen zu schützen. Doch so stimmt das nicht. Man hat immer eine Wahl. Auch wenn viele denken, dass sie auf ihrem Posten aus reiner Loyalität zur Firma nicht anders handeln können. Das ist ein Irrtum.

Niemand hat im Arbeitsvertrag seine Würde und Menschlichkeit verkauft. Und wer sich hinter dem Wort Loyalität verschanzt, sollte sich fragen, wem seine Loyalität gilt. Siemens? Wer ist Siemens? Neben den Managern doch wohl jeder einzelne Mitarbeiter. Und das ist eindeutig die Mehrheit.

Was viele Vorgesetzte in solch turbulenten Zeiten vergessen: Die Führungskraft ist für die Erhaltung der Arbeitskraft seiner Mitarbeiter verantwortlich, soweit er darauf Einfluss nehmen kann. Er darf keine Arbeitsbedingungen zulassen, aus denen den Mitarbeitern vermeidbare psychische und physische Schäden entstehen können.

Kein Zweifel, kein Vorgesetzter wird einen Arbeitsplatz durch seine Verweigerung oder Berufung auf solche oder ähnliche Führungsgrundsätze retten. Daher der Gedanke, der schließlich zur Entschuldigung vor sich selbst wird: Wenn er nicht handelt wie er soll, wird es ein anderer an seiner Stelle tun. Was also kann man trotzdem tun?

Menschliche Verantwortung übernehmen, für sich selbst und für die betroffenen Mitarbeiter. Nicht selbst erstarren vor Angst, das Falsche zu tun.

Das Falsche tun schon die, die die Mitarbeiter und ihre Vorgesetzten mit ihren Entscheidungen in solche Situationen bringen.

Klar eine Grenze ziehen und dem Mitarbeiter sagen: das hier muss ich als Dein Vorgesetzter tun. Da habe ich keinen Handlungsspielraum. Und als Privatperson sage ich Dir, dass solche Vorgehensweisen nicht in Ordnung sind, dass es mir leid tut, so handeln zu müssen, dass ich dich nicht drangsalieren werde und dass ich Dir Mut machen möchte, Dich für Deine Rechte einzusetzen. Informier Dich, was Du tun kannst und kämpfe. Wissen ist Macht.

Möglicherweise geht man damit ein Risiko ein. Es gibt keine Garantie, dass einem solches Handeln nicht auf die Füße fällt, aber es gibt auch keine dafür, dass man sich sicher fühlen kann, wenn man sich zurückhält und nur zuschaut, wie die eigenen Mitarbeiter zu Boden gehen. Man hat aber viel zu gewinnen, wenn man erkennt, dass man nicht willenloser Handlanger sein muss, dass man immer eine Wahl hat, das Richtige zu tun.