Mitarbeiter lehnen Kurzarbeit ab

29.03.2010 von Inken Wanzek

Uns erreichen verstärkt Anfragen von Mitarbeitern, wie man sich denn gegen die Kurzarbeit wehren könne. Leider kann man sich dagegen nicht wehren. Nur in Ausnahmefällen, sog. Härtefälle, können von Kurzarbeit ausgenommen werden. Die Mitarbeiter müssen sich dazu an den Betriebsrat oder die Betriebsleitung wenden.

Die Kurzarbeit kommt offensichtlich beim Großteil der Mitarbeiter nicht an. Ein Grund ist, dass diese nicht über den gesamten Betrieb verteilt ist, sondern einzelne Mitarbeiter herausgepickt werden. Dies wird als ungerecht empfunden. Hinzu kommt, dass die Belegschaft keine Gegenleistung des Arbeitgebers erkennen kann. Dass Arbeitsplätze durch die Kurzarbeitsvereinbarung gerettet werden, glaubt kaum jemand, insbesondere, da der 15.9. als magischer Termin in der Betriebsvereinbarung verankert ist.

Hier ein paar Stimmen aus der Belegschaft: Statement:

„Auf ein Wort… Langsam platzt mir echt der Kragen! Wir sind zurzeit so unter Druck, schieben eine Überstunde nach der anderen und 400 Leute sollen in Kurzarbeit Null. Ich sehe das z.B. schon bei uns auf dem Gang. Die Kollegen der Nachbarabteilung langweilen sich zu Tode, gehen dann vor 16 Uhr nachhause. Wir hocken da bis um 19 oder 20 Uhr und stehen kurz vor dem Infarkt. Manchmal denke ich, schon die Ebene über den DL’s weiß gar nicht mehr, was in der Firma ab geht!? Da werden nur nichtssagende Powerpoint-Folien stundenlang ohne Ergebnis analysiert. Der Laden muss doch zu Grunde gehen…“

Statement:

„Kann ich mich weigern mein Profil einer beE-Stelle zur Verfügung zu stellen?“

Antwort:

Es ist vorgesehen, dass die Mitarbeiter ihre Profile bei der Hofmannstraßen-beE abgeben, damit diese den Weiterbildungsbedarf feststellt. Man kann sich also nicht weigern.

Statement:

„Komisch. Alle reden von Kurzarbeit bei NSN. Die Mutter Siemens macht Rekordgewinne. Arbeiten werden nach Indien und China verlagert. Würde mich nicht wundern, wenn das Arbeitsamt München gar kein KUA-Geld gewährt und den Antrag verwirft, wegen SGB III – § 170 ;-)“

Antwort: Unseres Wissens hat die Agentur für Arbeit schon zugestimmt.

Statement:

„Ich bin sehr enttäuscht dass der BR das Finger-Pointing freundlich genehmigt hat. Auch viele andere sollen weg, die aktuell noch nichts ahnen und deren Aufgaben NSN bei dieser günstigen Gelegenheit offshoren möchte (wenn der BR davon weiß, und wieder nur freundlich genehmigt, wäre das ungeheuerlich)!“

Statement:

„Also unsere Vorgesetzte hat wohl einen Maulkorb verpasst bekommen und durfte offiziell nichts sagen. Erst morgen ist offizielle Abteilungsversammlung. Ob für Alle oder nur die Betroffenen weiß ich noch nicht. Ich habe heute meine Vorgesetzte leise gefragt, ob sie mir denn auch einen sehr ausgiebigen Sommerurlaub wünschen kann, dann möge sie nur nicken – das Nicken war erfolgreich…

Statement:

Sommerfreuden kann ich weiß Gott überhaupt nicht empfinden, mir geht’s eher ziemlich mies. Man konnte in der Abteilung deutlich spüren, dass die Nicht-Betroffenen inoffiziell Bescheid bekamen und sich uns gegenüber ganz anders verhalten, kaum mehr Reden, schon gar nicht über Kurzarbeit, eher jetzt schon dezent ausgrenzend. Ist sehr verletzend. Bin alles, frustriert, deprimiert, wütend, und am allermeisten unendlich verletzt.

Habe auch Angst, wie wir finanziell um die Runden kommen. Finde alles so ungerecht, vor allem, wenn man von LBU-Kürzung UND Kurzarbeit betroffen ist, und auch, dass die Kurzarbeit nicht auf alle Schultern verteilt wurde.

Danke, dass Ihr da seid, für uns. Dass IHR uns nicht im Stich lasst.“

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