Das magische Datum – der 15. April 2010

03.04.2010 von Inken Wanzek / Christine Rosenboom

An mehreren NSN-Standorten kursiert das Gerücht, dass am 15.4.2010 etwas bekannt gegeben werden soll, das ganz NSN betreffen wird.

Unsere nachstehende Analyse beruht auf den bisher vorliegenden Fakten und folgenden neuen Informationen:

  1. Am 1.4.2010 war ein Darlehen von insgesamt 1 Mrd. Euro fällig, das NSN an Siemens und Nokia hätte zurückzahlen müssen. (Quelle: Jahresabschluss / Lagebericht für das Rumpfgeschäftsjahr 2006 für die NSN GmbH & Co. KG)
  2. Der EBit von NSN hatte mit 17 Mio. Euro in Q4 2009 zwar überraschend den höchsten Stand in der Geschichte von Nokia Siemens Networks erreicht, in allen anderen Quartalen war der EBit aber bisher negativ.
  3. Rick Centeno steigt bei NSN ein. Das Geschäftsmodell der CIMG ist, Interim Manager für andere Unternehmen bereit zu stellen. Die CIMG beteiligt sich unter bestimmten Umständen auch finanziell an den zu sanierenden Unternehmen.
  4. Bis November hatten wir 1-2 russische Besucher pro Monat, seit Dezember 2009 haben wir im Durchschnitt mehr als 3.300 Zugriffe pro Monat aus Russland. Warum ist das für sie so spannend?
  5. Nokia-Hauptversammlung ist am 6.5.2010
  6. Die Kurzarbeit muss nach Betriebsleitung und Folien für die Line Manager-Schulung bis spätestens zum 12.4.2010 in die Wege geleitet worden sein. Kurzarbeit ab 1.5.2010 komme „zu spät“.
  7. Die IG Metall macht plötzlich Druck, dass die Anweisung zur Auszahlung des ERA-Strukturfonds bis spätestens 12.4.2010 erfolgen muss.
  8. Plötzlicher globaler Einstellungsstopp bei NSN
  9. [Update am 9.4.2010]: Joe Kaeser sagte am 10.2.2010 der Börsen-Zeitung gegenüber, Nokia habe beim Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks weiteren Anpassungsbedarf angemeldet. Langfristig müsse sich Siemens aber überlegen, ob der Konzern noch in den Telekommunikationsgeschäften beteiligt sein müsse. “Die Belastungen dürften in den nächsten Quartalen kommen, einige bereits im laufenden Quartal [Anm.: erstes Quartal 2010]”, sagte Kaeser.

Für die Rückzahlung des Darlehens am 1.4.2010 in Höhe von 1 Mrd. Euro an Siemens und Nokia dürften NSN die notwendigen Mittel gefehlt haben, da NSN bisher überwiegend Verlust gemacht hat. Der überraschende Gewinn von 17 Mio. Euro – insbesondere in Anbetracht des hohen Verlustes im Vorquartal in Höhe von 1,1 Mrd. Euro und der Finanzkrise – deutet darauf hin, dass hier ein Investor Verbindlichkeiten der NSN B.V. aufgekauft haben könnte.

Die Tatsache, dass Rick Centeno bei NSN eingestiegen ist, weißt darauf hin, dass dieser entweder schon vom neuen Shareholder, z.B. einem russischen Finanzinvestor, mit der Sanierung beauftragt wurde, oder dass CIMG selbst bei NSN eingestiegen ist und zumindest einen Teil dieser Verbindlichkeiten übernommen hat.

Am 6.5.2010 findet die Hauptversammlung von Nokia statt. Traditionell werden Verkäufe von Beteiligungen in dieser Größenordnung im Vorfeld einer Hauptversammlung bekannt gegeben, damit die Aktionäre sich darüber eine Meinung bilden und auf der Hauptversammlung dem Share Deal ggf. zustimmen können. Das bedeutet, die Nachricht, dass und wenn ja, wie viele der Anteile Siemens und Nokia verkauft haben, dürfte noch im April, etwa zwei bis drei Wochen vor der Hauptversammlung bekannt gegeben werden.

Auffällig ist, dass die Einführung der Kurzarbeit und die Auszahlung des ERA-Strukturfonds unbedingt bis spätestens 12.4.2010 über die Bühne gehen müssen. Hinzu kommt der plötzliche globale Einstellungsstopp. Dies deutet darauf hin, dass am 15.4.2010, dem magischen Datum, etwas passieren wird.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Siemens und Nokia am 15.4.2010 möglicherweise bekannt geben, dass sie einen Teil ihrer Anteile an einen Finanzinvestor verkauft haben. Wenn es sich um einen Share Deal handelt, also einen Anteilsverkauf, dann ist dies nicht mit einem Betriebsübergang für die deutschen Mitarbeiter verbunden.

Disclaimer für zukunftsgerichtete Aussagen: Dieser Artikel enthält in die Zukunft gerichtete Aussagen und Informationen – also Aussagen über Vorgänge, die in der Zukunft, nicht in der Vergangenheit, liegen. Diese zukunftsgerichteten Aussagen sind erkennbar durch Verwendung des Konjunktivs oder einschränkende Formulierungen wie „möglich“, „beispielsweise“ oder ähnliche Begriffe. Solche vorausschauenden Aussagen beruhen auf den heutigen Einschätzungen der Redaktion, auf bekannten Fakten und bestimmten Annahmen. Sie bergen daher eine Reihe von Risiken und Ungewissheiten. Eine Vielzahl von Faktoren, von denen zahlreiche außerhalb des Einflussbereichs der Redaktion liegen, beeinflusst die tatsächlichen Abläufe und Szenarien. Diese Faktoren können dazu führen, dass die prognostizierten Ergebnisse unserer Analyse wesentlich von später tatsächlich eintretenden Ereignissen abweichen können.