Schmiergeldaffäre: Ex-Siemens Bereichsvorstand vor Gericht

08.04.2010 von Christine Rosenboom

Am kommenden Montag, den 12.4.2010 beginnen die Prozesse gegen den früheren Finanzvorstand des Com-Bereichs, Michael Kutschenreuter und den damaligen Leiter des Rechnungswesens von Com, Hans-Werner H., gab das Oberlandesgericht München bekannt. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Ex-Siemens Managern Untreue und Beihilfe zur Bestechung vor.

Kutschenreuter war von 2001 bis 2005 Finanzvorstand der Telekommunikationssparte Com. Mehrere seiner Mitarbeiter wurden bereits früher verurteilt, unter anderem auch Reinhard S., der als Herr der schwarzen Kassen bezeichnet wurde. Bei ihm sah es das Gericht als erwiesen an, dass er in 49 Fällen fast 50 Mio. Euro aus dem Konzern auf ausländische Konten geschleust hatte. Dafür wurde er im Sommer 2008 zu zwei Jahren auf Bewährung und einer Geldstrafe verurteilt.

Kutschenreuter, so die Staatsanwaltschaft, habe Reinhard S. mit der Abwicklung der dubiosen Zahlungen beauftragt, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Auch Hans-Werner H. habe davon Kenntnis erlangt. Beide hätten gewusst und gebilligt, dass das Geld zumindest zum Teil für die Bestechung von Amtsträgern im Ausland bestimmt war.

Michael Kutschenreuter werde den Sachverhalt einräumen, sagte sein Anwalt Leonard Walischewski der WELT. Auch der Anwalt von Hans-Werner H., Steffen Ufer, rechnet mit einem schnellen Verfahren. Sein Mandant räume die Vorgänge ebenfalls ein. Das Gericht hat drei Verhandlungstage angesetzt.