Ex-Siemens Wireless Modules insolvent

10.04.2010 von Christine Rosenboom

Siemens Wireless Modules, früher ein Teil von ICM und damit später von auch von Com war erst 2008 an eine Investorengruppe, zu denen auch T-Venture und die Hamburger Beteiligungsfirma Granville Baird gehörte, verkauft worden. Siemens Wireless Modules firmierte als eigenständiges Unternehmen ab 01.06.2008 unter dem Namen „Cinterion Wireless Modules GmbH“. Am 22.3.2010 hat nun die Cinterion Wireless Modules Holding GmbH Insolvenz angemeldet.

Langfristig war Siemens Wireless Modules offensichtlich wie viele andere ehemalige Siemens-Geschäftszweige nicht ohne Siemens überlebensfähig. Was ist passiert? Die Investorengruppe hatte den Kauf von Siemens Wireless Modules fremdfinanziert mit Krediten des Finanzinvestors EQT. Die Investorengruppe stellte im August 2009 die Zahlung der Zinsen für die Kredite ein. Nachdem sie ein Ultimatum von EQT zur Zahlung der Forderungen verstreichen ließ, leitete EQT schließlich das Insolvenzverfahren ein.

Siemens Wireless Modules beschäftigte vor der Ausgliederung rund 430 Mitarbeiter an den Standorten München, Berlin und Leipzig sowie in Polen und hatte zuletzt einen Jahresumsatz von 250 Mio. Euro. Die Belegschaft war bereits auf 350 Beschäftigte reduziert worden. Der Bereich entwickelte Kommunikationslösungen auf GSM/GPRS/UMTS-Basis für Messung und Fernüberwachung, Verkehrssysteme, Automotive, Logistik und Flottenmanagement, Handys und Mobilcomputer.

Um die insolvente ehemalige Siemens-Tochter ist nun ein Übernahmekampf entbrannt. Cinterions größter Kreditgeber EQT, ein schwedischer Investor soll beim vorläufigen Insolvenzverwalter Michael Jaffé ein bindendes Angebot für das operative Geschäft von Cinterion abgegeben haben. Wie aus Finanzkreisen verlautete, liegen Jaffé auch noch andere Gebote vor. Zudem gibt auch der Alteigner, die Hamburger Beteiligungsfirma Granville Baird, Cinterion noch nicht verloren. Granville-Geschäftsführer Wolfgang Alvano sagte der FTD: „Wir waren und sind bereit, eine signifikante Summe bei Cinterion zu investieren.

Von der Insolvenz ist das operative Geschäft des Weltmarktführers bei Funkmodulen für die Kommunikation zwischen Maschinen bislang nicht betroffen. Dieses sei zuletzt gut gelaufen, heißt es übereinstimmend aus Finanz- und Unternehmenskreisen. Deshalb ist es so heiß begehrt. EQT’s Vorschlag sieht vor, die Schulden deutlich zu senken und das Eigenkapital zu erhöhen.

Die Schweden übernahmen Finanzkreisen zufolge zuletzt erstrangig besicherte Cinterion-Kredite der HSH Nordbank und der Wiener Investkredit. EQT hatte über seinen Fonds EQT Expansion Capital 2008 die gesamte Kreditfinanzierung für den Granville-Deal gestellt.

Dem Insolvenzantrag ging ein monatelanges Machtgerangel zwischen EQT und Granville Baird voraus. Bereits vergangenen Sommer wollte EQT über eine Übernahme der Cinterion-Anteile mit Granville verhandeln, nachdem Cinterion die Kreditklauseln gebrochen hatte. Da EQT schon seit August 2009 keine Zinsen mehr erhalten hatte setzten sie Granville zu Jahresbeginn eine 90-Tage-Frist. Als diese auslief, forderte EQT die Geschäftsführung auf, zum Insolvenzrichter zu gehen.

Granville hatte nach FTD-Informationen bis zuletzt versucht, einen Co-Investor an Bord zu holen. In der Branche wird bezweifelt, dass die Hamburger Beteiligungsfirma überhaupt noch Geld nachschießen kann. Granville hat seit fast zwei Jahren keine Übernahme mehr getätigt – obwohl der jüngste, 2007 aufgelegte Fonds über 350 Mio. Euro erst zu 40 Prozent angelegt ist. Zuvor waren ein bis drei Deals pro Jahr üblich.

Granville Baird hatte zuvor schon eine Reihe anderer Unternehmen in die Insolvenz geführt, darunter den Schorndorfer Metallverarbeiter Alvo und der Düsseldorfer Druckereispezialisten Vits. Der Drahthersteller Berkenhoff, eine ehemalige ThyssenKrupp-Tochter, ging auf Druck der Gläubigerbanken zu einem symbolischen Preis an einen Treuhänder.