SIS NewCo: Die Braut soll schöner werden

11.04.2010 von Inken Wanzek

„Warum kann die SIS nicht in der Siemens AG bleiben?“, war eine Frage, die die Mitarbeiter beschäftigt.

Wir wollen dieser Frage einmal nachgehen und dabei die Erfahrungen aus anderen gleichartigen Siemens-Ausgliederungen zugrunde legen.

Die Frage wurde auf den SIS Versammlungen mehrfach gestellt, aber vom Future Team der SIS, das vom Arbeitgeber eingerichtet worden ist, immer nur sehr ausweichend bzw. „mit geradezu lächerlichen Argumenten“, wie Kollegen sagten, beantwortet.

Ein Argument des Leiters von SIS Deutschland, Rainer Koppitz, war „Größere Flexibilität“ bei der Personalbesetzung. Als Beispiel wurde sinngemäß, so die Kollegen weiter, gebracht: „Der für die SIS zuständige Zentralvorstand der SAG kenne die IT Branche und deren Anforderungen nicht und besitze daher nicht die Sachkompetenz für die Personalauswahl, z.B. des zukünftigen Bereichsvorstands.” Das Future Team hält sich also bedeckt.

Die Mitarbeiter suchen nach einer Erklärung. So wurde beispielsweise als möglicher Grund der Ausgliederung der SIS, eine drastische Gehaltskürzung und die Umgehung des Tarifvertrages vermutet. Doch dies, so unsere Erfahrung, spielt keineswegs die zentrale Rolle bei der Umstrukturierung der SIS.

Ziel der Siemens AG dürfte es eher sein, die SIS – und wohl auch andere ungeliebte Töchter – schnell zu sanieren und für einen Käufer attraktiv zu machen. Gehaltskürzungen über Ergänzungstarifverträge oder Kürzungen in freiwilligen Sonderzahlungen sind dabei natürlich nicht ausgeschlossen, sind aber nicht das Hauptziel.

Dazu wird die bestehende SIS in die SIS-A und in die SIS NewCo aufgespaltet.

In der SIS-A, die bei der Siemens AG bleiben soll, werden alle Altlasten, die den Gewinn des Unternehmens belasten oder nicht zukunftsträchtig sind, belassen. Dazu gehören beispielsweise Projekte, die unrentabel sind oder auslaufen bzw. die nicht mehr in die geplante Neuausrichtung der SIS passen. Auch ist bekannt, dass sich Unternehmen schwer verkaufen lassen, wenn der Altersdurchschnitt der Mitarbeiter zu hoch ist. Daher ist davon auszugehen, dass ältere Mitarbeiter nach Vorstellungen der Siemens AG vornehmlich in der SIS-A verbleiben sollen. Dazu gehören auch die Altersteilzeitmitarbeiter. Den Mitarbeitern in der SIS-A werden höchstwahrscheinlich nach einem noch auszuhandelnden Sozialplan, Aufhebungsverträge mit Abfindungen, Vorruhestandsregelungen und möglicherweise eine Beschäftigungsgesellschaft (beE) angeboten werden.

Die SIS NewCo ist dann auf ein neues Portfolio ausgerichtet, die Kundenverträge können nach wie vor bedient werden. Dem neuen Unternehmen gehören auf einen Schlag wesentlich weniger Mitarbeiter an, bei SIS sind es 2000, eine ungeheurer große Zahl. Die Personalkosten sind dadurch deutlich und dauerhaft gesenkt, viele Mitarbeiter mit Jubilarschutz und tariflichem Kündigungsschutz, die naturgemäß auch älter sind, hat der Arbeitgeber los bekommen. Der Altersdurchschnitt ist gesenkt, das Unternehmen unbelastet von Restrukturierungskosten, keine Altersteilzeitverträge, keine Belastungen durch Abfindung und Beschäftigungsgesellschaften, saniert und wie ein renoviertes Haus gut verkäuflich.

Für die Mitarbeiter macht es wenig Sinn dem Betriebsübergang von Siemens zur SIS NewCo zu widersprechen, landen sie dann doch in der SIS-A, die der endgültigen Entsorgung entgegengeführt werden soll.