NSN: Stimmung in Berlin

12.04.2010 von Inken Wanzek

Die Stimmung in Berlin ist, zumindest in einigen Bereichen, ziemlich schlecht. Die Kurzarbeit schlägt auf den Magen. Die Auswahlkriterien sind nicht transparent, heißt es. „Mein Eindruck ist, dass Software-Entwickler mit einem Spezialthema nicht betroffen sind. Betroffen sind Kollegen, die an Querschnittsthemen oder Tooling arbeiten“, sagten Mitarbeiter. „Weiter sind auch Kollegen mit begleitenden Tätigkeiten wie Installation oder mit administrativen Aufgaben betroffen. Natürlich kommt dann noch das Nasenprinzip hinzu.

Auf die Frage, wer entschieden hat, welche Kollegen in Kurzarbeit gehen sollen und welche nicht, kam von Führungskräften und Abteilungsleitern die Antwort, dass diese Entscheidungen auf höherer Ebene gefällt worden seien.

Vom Betriebsrat werden die Kollegen mehr oder weniger vertröstet. Es wird auf das Berliner Werk verwiesen, in dem auch kurz gearbeitet wird und man möge – als betroffener Kurzarbeiter – doch an die anderen Kollegen denken, schließlich werden durch die Kurzarbeit betriebsbedingte Kündigungen verhindert. „Mein Eindruck ist, dass der Berliner Betriebsrat das Thema Kurzarbeit still und leise über die Bühne bringen möchte“, so ein Kollege. „Der Betriebsrat scheint abgetaucht zu sein, jedenfalls steht nichts Neues mehr auf der BR-Homepage Berlin, auch nicht über Kurzarbeit“, kommentierte ein anderer.

Unserer Meinung nach wäre die Solidarität besser gelebt, wenn alle ein bisschen weniger arbeiten, als dass einige Kolleginnen und Kollegen die ganze Last der Solidarität alleine tragen müssen. Fingerpointing und Kurzarbeit Null sind zwei Dinge, denen ein Betriebsrat nie hätte zustimmen dürfen. Schließlich werden die betroffen Kollegen durch die Kurzarbeit Null komplett aus dem Arbeitsprozess herausgerissen, bekommen neue Entwicklungen nicht mehr mit und sind gezwungen sich nach Ende der Kurzarbeit wieder neu einzuarbeiten, auch dann wenn ihr heutiger Arbeitsplatz noch vorhanden ist.

Der Eindruck der Kollegen ist, dass im Moment nur die „erste Welle“ der Kurzarbeit stattgefunden hat und eine zweite in Vorbereitung sei.

Die Mitarbeiter beobachten genau und was sie sehen, ist beunruhigend. So soll das OPEX-Budget, das Budget für operative Tätigkeiten, im Vergleich zu vor zwei/drei Jahren um 50 Prozent gesunken sein, sehr viele Consultants mit Key-Know-How haben inzwischen den Standort verlassen. „Die letzte und auch die aktuelle Umorganisation bei CBC RD ist nicht geeignet für eine Software-Entwicklungsabteilung im System-Geschäft, eher für eine Hardware-Produktionsstätte oder auch eine Software-Entwicklungsabteilung auf ausschließlich Applikationsebene“, kritisiert ein Kollege. Viele Themen werden nach und nach nach Polen und Indien verlagert. „Die Tendenz scheint mir Richtung OEM-Integration zu gehen. Ob der neue NSN BSO CBC-Chef Rick Centeno einen Strategiewechsel durchführen wird, möchte ich offenlassen. Man kann sich natürlich noch ganz andere Ziele vorstellen …