Siemens: NSN-Geschäftsbericht bei SEC eingereicht

25.04.2010 von Christine Rosenboom

Die Siemens AG hat am 23. April 2010 den Bericht ‘Amendment No. 1 on Form 20-F/A‘  bei der US-amerikanischen Börsenaufsichtsbehörde SEC eingereicht. Dieses Dokument ist ein Nachtrag zum bereits am 4.12.2009 für das Siemens-Geschäftsjahr 2009 eingereichten Formular 20-F der Siemens AG. Es enthält den Geschäftsbericht der Nokia Siemens Networks B.V. für den Zeitraum 1.4.2007 bis 31.12.2009.

Zu dieser Veröffentlichung mit dem Ziel der europaweiten Verbreitung ist Siemens gemäß §30e WpHG verpflichtet. Siemens-CEO Peter Löscher und CFO Joe Käser haben mit ihrer Unterschrift bestätigt, dass der Bericht nach ihrem Wissen vollständig ist, keine unwahren oder irreführenden Tatsachen enthält. Die Wirtschaftsprüfungsfirma PricewaterhouseCoopers Oy, Finnland bestätigt, dass der Geschäftsbericht die finanzielle Situation des NSN-Konzerns wirtschaftlich angemessen darstellt.

Interessant ist, dass dieses Formular gerade zum jetzigen Zeitpunkt bei der SEC eingereicht wurde. So, als ob man etwas ordentlich abschließen wolle, bevor eine einschneidende Änderung in Angriff genommen wird. Der Geschäftsbericht, nach dem IFRS-Standard erstellt, enthält darüber hinaus einige weitere interessante Details, die aus den Veröffentlichungen der Quartalszahlen durch Nokia nicht hervorgehen.

Zusammensetzung und Höhe der Darlehen

Wir wussten bereits, dass am 1.4.2010 ein Darlehen von insgesamt 1 Mrd. Euro fällig war, das NSN an Siemens und Nokia hätte zurückzahlen müssen, dass NSN für die Rückzahlung jedoch die notwendigen Mittel gefehlt haben dürften, da NSN bisher überwiegend Verlust gemacht hat.

Aus Seite 34 des bei der SEC eingereichten Geschäftsberichts geht hervor, dass diese beiden Darlehen in Höhe von je 500 Mio. Euro offensichtlich im Jahr 2008 bis zum 1.4.2011 und im Jahr 2009 nochmals bis zum 1.4.2013 verlängert wurden. Dabei wurde der Zinssatz, den NSN bedienen muss, von bisher 5,9 bis 6 Prozent auf 1,6 Prozent verringert. Zusätzlich nahm NSN 2009 bei den Müttern jeweils ein weiteres Darlehen in Höhe von je 250 Mio. Euro zu einem Zinssatz von 8,2 Prozent (das ist sogar mehr, als man derzeit für griechische Staatsanleihen bekommt – die Griechen zahlen etwa 7,13 Prozent) auf. Auch diese beiden Darlehen haben eine Laufzeit bis April 2013. Zusammen mit kurzfristigen Krediten beliefen sich die Darlehen, die NSN bei Nokia und Siemens aufgenommen hatte, Ende 2009 auf insgesamt 1,822 Mrd. Euro.

Umwandlung des Darlehens in Höhe von 1 Mrd. Euro in Vorzugsaktien

Auf Seite 41 liest man dann, dass am 30.3.2010, also einen Tag vor Ende der ursprünglichen Laufzeit, Darlehen in Höhe von 1 Mrd. Euro in Vorzugsaktien umgewandelt worden sind: “On March 30, 2010 borrowings of EUR 1 000 million from the Group’s parent companies were converted into preferred shares in Nokia Siemens Networks B.V.

Vorzugsaktien sind eine Aktiengattung ohne Stimmrecht, dafür sind in der Regel Vorrechte bei der Gewinnverteilung, z.B. in Form einer Mindestdividende, und bei der Liquidation einer Gesellschaft verbrieft.

Durch diese Maßnahme sanken natürlich zunächst einmal die Darlehen, die NSN bedienen muss, auf etwa 822 Mio. Euro. Was macht man mit Vorzugsaktien, insbesondere wenn einem die Gesellschaft ohnehin gehört? Man könnte sie beispielsweise verkaufen.

Mittel für Personalabbau

Darüber hinaus wurde ebenfalls am 30.3.2010 mit den Kreditgebern des revolvierenden Kreditrahmens in Bezug auf die finanziellen Konditionen eine Veränderung vereinbart. Ein revolvierender Kreditrahmen ist ein Kredit, den man in Anspruch nehmen kann, wenn man ihn braucht und der sich immer wieder verlängert solange bis er zurückgezahlt wird. Dieser Kreditrahmen war ja ursprünglich für die Akquise anderer Unternehmen vereinbart worden. Jetzt darf er auch für die von NSN angekündigten und durch die gegenwärtige Marktlage bedingten Restrukturierungsmaßnahmen in Anspruch genommen werden.

Als Maßnahmen werden im Geschäftsbericht (‘Amendment No. 1 on Form 20-F/A’) die Schließung des Betriebs in Boca Raton, Florida, die freiwilligen Aufhebungsverträge in Finnland und die Kurzarbeit in Deutschland genannt.