SIS: Monitoring-Gespräche

11.05.2010 von Inken Wanzek

Der Ton bei SIS wird rauer. Es ist angekündigt, dass man sich von 25 bis 30 Prozent der Mitarbeiter trennen will. Der Betriebsrat befindet sich immer noch in der Informationsphase, doch der Arbeitgeber wartet nicht ab, sondern versucht mittels Monitoring-Gespräche Mitarbeiter zu verunsichern.

Monitoring-Gespräche ist lediglich ein neuer Name für Altbekanntes. Es geht darum in den Mitarbeitern das Gefühl zu erzeugen, bei SIS nicht mehr erwünscht zu sein. Es wird darauf hingewiesen, dass die Leistung nicht mehr stimmt. Unausgesprochen, aber deutlich zwischen den Zeilen, wird von manchen Vorgesetzten gesagt, man sei ein Low Performer, ein Minderleister und für einen solchen sehe die SIS keine Zukunft im Unternehmen.

Die Gespräche sollen „vorbereiten“ auf das Trennungsangebot. Unsicherheit, Zweifel an der eigenen Leistungsfähigkeit, Angst vor der Zukunft, Angst vor dem Vorgesetzten, letztlich der Wunsch, solche Gespräche nicht mehr führen zu müssen, sollen dazu führen, dass der Mitarbeiter ein Trennungsangebot annimmt.

Wie geht man damit um?

Der erste Schritt ist, sich bewusst zu machen, dass in jedem Unternehmen, das massenhaft Stellen abbauen will, plötzlich Low Performer zu Hauf entstehen. Es gehört zur Methode des Stellenabbaus bei großen Unternehmen. Mitarbeiter, von denen man sich trennen möchte, werden zu Minderleistern gestempelt. Dabei kommt es durchaus vor, dass hier der ein oder andere dabei ist, den man vor Kurzem noch als Leistungsträger bezeichnet hat.

Man muss innehalten und nachdenken. Monitoring-Gespräche sind eine Methode des Stellenabbaus. Hat man das verstanden und verinnerlicht, dann erkennt man, dass der Low Performer, zu dem man plötzlich gestempelt wurde, mit einem selbst, mit der eigenen Fähigkeit zu arbeiten und etwas zu leisten wenig zu tun hat. Man muss sich dies bewusst machen – immer wieder, das ist wichtig. „Ich bin kein Minderleister, kein Low Performer. Ich bin nicht besser und nicht schlechter als vor Bekanntgabe dieses Stellenabbaus. Es ist eine Methode, die hier angewendet wird, die mich zermürben soll, damit ich gehe.“

Man übe das, sage es sich selbst, zum Beispiel vor einem Spiegel, ins Gesicht. Diese schlichte Erkenntnis nimmt den Angriffen der Monitoring-Gespräche die Kraft. Die Erkenntnis, dass es sich um eine Methode handelt und nicht um eine ehrliche Beurteilung, wirkt wie eine Burgmauer, die der Vorgesetzte erst einmal überwinden muss.

Der zweite Schritt ist, zu lernen mit dem Wort „Nein“ umzugehen. Auch dieses kann man sich selbst ins Gesicht sagen. „Nein“, laut und deutlich zu sagen, will gelernt und geübt sein. „Nein“ ist ein Wort, das Macht hat, an dem der Vorgesetzte nicht vorbeistürmen kann. Was will er machen, wenn ich Nein zu seinem Trennungsangebot sage? Er kann nichts machen, denn er ist auf meine Freiwilligkeit angewiesen.

Freiwilligkeit hat etwas mit der Freiheit der Entscheidung zu tun. „Nein“ erkämpft diese Freiheit. Dabei stellt sich das „Nein“ zunächst nur gegen die psychischen Druckmethoden, später, wenn man die Konditionen kennt und alles genau abgewägt hat, kann dieses „Nein“ in der Freiheit der Entscheidung (freiwillig) entweder zu einem „Ja“ oder zu einem „Nein“ zu einem konkreten Trennungsangebot werden.

Und zu den Vorgesetzten sei gesagt: Man hat immer eine Wahl, wie man mit seinen Mitarbeitern umgeht. Man kann sich als Mensch immer entscheiden, ob man bereit ist, psychisch zu zermürben, Menschen mit Mobbing zu zerstören oder menschlich zu bleiben. Die Ausrede, wenn ich es nicht mache, macht es ein anderer und es schadet mir, wenn ich nicht tue, was mir gesagt wird, zählt nicht angesichts der Menschlichkeit. Und wenn man ehrlich ist, weiß man das auch. Das Gewissen lässt sich nicht betrügen, zumindest nicht dauerhaft.

Mit Monitoring-, Sondierungs-, Trennungsgespräche oder wie immer sie gerade genannt werden, muss man sehr bewusst umgehen. Das Bewusstsein der eigenen Stärke, der eigenen Wertschätzung lässt unfair geführte Trennungsgespräche ins Leere laufen. Es geht! Viele bei Siemens, bei NSN, Alcatel-Lucent und anderen Unternehmen haben es geschafft „Nein“ zu sagen und sich nicht unterkriegen zulassen. Es geht auch bei SIS – ganz sicher.

Hier noch ein Link zum weiterlesen.