Nachruf Heribert Fieber

19.07.2010 von Inken Wanzek

Heribert Fieber ist am Freitag, den 16. Juli 2010 in München verstorben.

Er ist 66 Jahre alt geworden. Heribert ist nach schwerer und unheilbarer Krankheit friedlich eingeschlafen. Seine Familie war bei ihm. Sein Wunsch nach einem sanften Tod ist ihm erfüllt worden.

Er ging mit seiner Krankheit im Freundeskreis sehr offen um, setzte sich, so wie man ihn kannte, damit bewusst auseinander. Er nahm seine Krankheit an und lebte das letzte halbe Jahr sehr bewusst und war bis zuletzt aktiv. Aus dieser aktiven Auseinandersetzung mit seiner Krankheit, mit sich selbst und der Fortsetzung seines Tuns sowie aus zahllosen Gesprächen mit seinen Freunden zog er die Kraft und eine bewundernswerte psychische Stabilität, eine, die er immer hatte, wenn es schwere Auseinandersetzungen zu führen gab.

Ich konnte und durfte ihn auf seinem Weg von Bekanntgabe der Diagnose bis zu seinem Tod begleiten, habe ihm aber versprechen müssen, niemandem von seiner Krankheit zu erzählen, woran ich mich selbstverständlich gehalten habe. Er wollte selbst bestimmen, wem er es erzählte und wem nicht. Er wollte kein Mitleid und Bedauern, sondern Freundschaft, die sich gegenseitig hilft.

Für viele wäre das Leben ohne Heribert Fieber anders verlaufen und die wohl meisten wissen das. Wer ihm danken will, möge durch sein eigenes Verhalten, seine Lehre forttragen und die Welt durch seinen persönlichen Einsatz in seinem persönlichen Umfeld ein Stück besser machen.

Im Mittelpunkt seines Lebens stand die gewerkschaftliche Arbeit. Seine jahrzehntelange Betriebsratsarbeit war erfüllt von Engagement für „seine Belegschaft“, wie er oft sagte, mit Mut, tiefen Wissen und sicherem Handeln in unsicheren Zeiten. Er gab nie auf, suchte immer nach neuen Wegen, wenn alte nicht zum Ziel führten. Mit diesem seinem Tun, das weit über gewerkschaftliche Arbeit hinausging, wird er uns allen ein Vorbild bleiben.

Sein Tun, seine Worte, Gedanken und Bilder werden allen, die ihn wirklich kannten und verstanden haben, immer in Erinnerung bleiben. Er hat vielen Menschen geholfen und Hoffnung gegeben. Heribert hat die Werte, von denen er gesprochen hat, täglich gelebt. Er hat sich diese nie nehmen lassen, auch dann nicht, wenn dies gravierende Nachteile für ihn bedeutete.

Menschlichkeit und Menschenwürde, verbunden mit dem Bewusstsein, dass die Welt sich nur zum Besseren ändern wird, wenn die Menschen in gegenseitiger Achtung im Großen wie im Kleinen um Gerechtigkeit und Menschlichkeit ringen, waren das Fundament seines Lebens. Diese Festigkeit ließ ihn Dinge tun, die andere Menschen nicht vollbringen können. Die Krönung seines gewerkschaftlichen und betriebsrätlichen Tuns, das sein Leben erfüllte, war der Arbeitskampf 2003 in der Münchner Hofmannstraße. Viele Menschen haben ihm sehr viel zu verdanken.

Er sah, wie er mir sagte, sein Leben als erfüllt an. Er wollte dieses Leben führen und kein anderes.

Ich habe mit ihm einen sehr guten Freund verloren. Heribert wird fehlen, aber sein Tun wird weiter wirken und Früchte tragen.

Inken Wanzek