Ostern einmal anders – Meine Entscheidung ist gefallen

10.04.2012 von Christine Rosenboom

Eigentlich stinkt es mir, ich hätte die Feiertage lieber zur Erholung und für einen Osterausflug mit meiner Familie genutzt. Dann das. Die IGM Funktionäre und die Gewerkschafter im Betriebsrat hatten sicher ein schönes Osterfest, aber die sind ja auch nicht von ihren Interessenvertretern verraten und verkauft worden. Wer schützt uns eigentlich vor IGM und Betriebsrat?

Aber was hilft es? Ich beginne mit der ausführlichen Analyse des Vertragswerks. Die Qualität lässt zu wünschen übrig, wie alles, bei dem die IGM und der Betriebsrat involviert waren.

Am Karfreitagabend finde ich den Brief mit dem beE-Vertrag zufällig im Briefkasten. Super-Timing!

Lange gelesen, viele Fragen notiert, mit Inken und meinem Mann diskutiert, mit meinem Anwalt telefoniert. Ich finde keine groben Fallstricke, die mich veranlassen würden, die Unterschrift zu verweigern.

Fragen nach der Betriebsrente (BAP, BSAV), Direktversicherung, Deferred Compensation, Steuerklassenwechsel, Krankenversicherung und Ruhenlassen des beE-Vertrags während einer Probezeit kann ich mir selber beantworten. Bleibt nur die Frage nach einer Sperrzeit. Ich beschließe, am Dienstag früh bei der Agentur für Arbeit, die für mich zuständig ist, anzurufen.

Als Mathematikerin kann ich nicht anders, ich muss das systematisch anfangen. Ich schiebe die Emotionen der vergangenen Tage beiseite und beginne mit Hilfe einer Excel-Tabelle umfangreiche Berechnungen, wie sich mein Netto-Entgelt in der beE und bis zum Ende des ALG 1-Bezugs entwickeln wird.

Szenarios, die ich berücksichtige, sind beE ohne IGM-Privilegien; beE mit IGM-Privilegien; einfach abwarten bis man gekündigt wird; Kündigungsschutzklage, in allen Varianten wie beispielsweise in erster Instanz verloren, in zweiter gewonnen.

Lache mich kaputt, als ich bei Netzwerk-IT im Thread „Wie sind eure Bewerbungserfahrungen mit Siemens?“ lese: „Super! Stelle bei Mutti Siemens gefunden, im Oktober dann die nächste bee. Man könnte doch seinen Lebensunterhalt mit bee-Hopping verdienen!“

Recherchiere jetzt über Versteuerung von Abfindungen, suche Rechner zum Transferkurzarbeitergeld, zum ALG 1, zur Fünftelregelung bei Abfindungen. Vielleicht sollte ich auf Steuerberater umsatteln.

Ergebnis: beE-Entgelt, Abfindung und ALG1 verschaffen mir die Zeit und den finanziellen Spielraum, bis Juli 2016 einen neuen Job zu suchen. Ein gutes Zwischenzeugnis habe ich bereits, ein Bewerbertraining habe ich auch schon gemacht. Der Arbeitsmarkt sieht derzeit nicht mal schlecht aus. Anfragen von Headhuntern hatte ich auch schon. Ich bin zuversichtlich, es wird sich eine Aufgabe finden, die mir Spaß macht in einer Firma, die mir eine Zukunftsperspektive auch über die nächsten zwei Jahre hinaus bieten kann.

Entscheide ich mich für die Kündigungsschutzklage, trage ich dagegen das Risiko, dass die ON GmbH oder NSN in München vielleicht nicht mehr existiert, bis ich eine rechtswirksame Entscheidung habe. Will ich mich wirklich in ein Unternehmen zurückklagen, das noch nicht einmal in der Präambel der Sozialtarifverträge eine Zukunftsperspektive für die verbleibenden Münchner Mitarbeiter aufzeigt?

Dann kommt mir plötzlich eine Weisheit der Dakota Indianer in den Sinn, die sagt: „Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab.“

Irgendwie befinde ich mich in einer Sackgasse. Ich schreibe auf, was mir wichtig ist und bewerte in einer Tabelle, wie gut ich diese Punkte in der beE bzw. während einer Kündigungsschutzklage verwirklichen kann. Das Ergebnis ist erstaunlich eindeutig. In dem Moment ist meine Entscheidung gefallen.

Ich werde am Mittwoch den unterschriebenen Vertrag im Beratungsgespräch bei der Personalabteilung abgeben und zum 01.05.2012 in die Transfergesellschaft wechseln.

Übrigens haben einige den Vertrag auch heute immer noch nicht. Will da jemand bewusst die 90% Quote sabotieren?